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DNV Position Ausgabe 5/2018: Trotz verbesserter Rahmenbedingungen für die deutsche Seeschifffahrt durch die Bundesregierung im Jahre 2016 hat der Anteil von Schiffen unter deutscher Flagge gegenüber der Gesamtzahl der Schiffe der von Deutschland aus betriebenen Flotte einen neuen Tiefstand erreicht. Angesichts dieser Erosion der Schifffahrt in Deutschland mit gravierenden Folgen für das auch künftig erforderliche maritime Know-how hält der Deutsche Nautische Verein (DNV) eine Diskussion über die Wirkung der Schifffahrtsförderung für gegeben, denn es gehe "um nicht weniger als um die Zukunft des Schifffahrtsstandortes Deutschland mit den über 400 000 Menschen, deren Existenz von der maritimen Wirtschaft abhängig ist", wie der DNV-Vorstand erklärte.

Eine solche Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung fand im Rahmen des 23. Parlamentarischen Nautischen Abends am 7. November in Berlin statt. Der DNV-Vorsitzende Frank Wessels betonte in seiner Einführung, dass für eine seemännische Ausbildung in Deutschland auch ausreichend Schiffe unter deutscher Flagge vorhanden sein müssten und stellte die Frage, ob die Förderung der deutschen Schifffahrt durch die Bundesregierung auch einen nachhaltigen Erfolg bringe. In einem Grußwort unterstrich der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann, die Bedeutung des Zusammenhalts in der Europäischen Gemeinschaft. "Jeden Tag wird der Einfluss der 500 Millionen Europäer gegenüber den inzwischen auf sieben Milliarden Menschen gewachsenen Weltbevölkerung geringer". Man dürfe nicht glauben, dass man aus einer solchen Position heraus weltweite Standards durchsetzen könne. Insofern sei zumindest eine europäische Zusammenarbeit notwendig, sagte Ferlemann. Im Hinblick auf das Thema des 23. Parlamentarischen Nautischen Abends sagte er, dass man nach den Rahmenanpassungen durch die Bundesregierung auch gewisse Erwartungen an die Reeder habe. Die Wirkung der Fördermaßnahmen werde man in Kürze "evaluieren", so der Politiker.

Unter der Moderation des stellvertretenden DNV-Vorsitzenden und DNV-Geschäftsführers Nicolai Woelki diskutierten anschließend Oliver Grundmann von der CDU, Uwe Schmidt von der SPD, Hagen Reinhold von der FDP, Claudia Müller von den Grünen und Andreas Mrosek von der AfD, ob die Förderungsmaßnahmen der Bundesregierung zur Förderung der deutschen Schifffahrt auch den gewünschten Erfolg bringen würden. Zuvor aber gab der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Ralf Nagel, eine Einschätzung der Lage aus Sicht der deutschen Reederschaft ab. Er gab zu bedenken, dass die Reeder derzeit wegen verschiedener Faktoren, wie Globalisierungsdruck und immer neuen und strengeren Umweltauflagen, unter enormem Kostendruck stünden. Nagel: "Die deutsche Handelsflotte wird immer älter und die Rolle, die sie in der Welt spielt, immer kleiner. Ich frage mich angesichts der derzeitigen Entwicklung, was in zehn oder 15 Jahren noch noch da ist, was zu fördern wäre". Immerhin, so Nagel weiter, sei es ja gelungen, den Rückgang der Anzahl deutscher Seeleute bei 6000 zu stoppen.

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Der stellvertretende DNV-Vorsitzende und DNV-Geschäftsführer Nicolai Woelki (3. v.r.) leitete die Diskussionsrunde, die aus den Politikern (von links) Andreas Mrosek (AfD), Uwe Schmidt (SPD), Hagen Reinhold (FDP), Oliver Grundmann (CDU), dem Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder, Ralf Nagel, und Claudia Müller (Die Grünen) bestand.


In der Diskussion nahmen nach den Darlegungen der Politiker ihrer jeweiligen Standpunkte allerdings Defizite bei der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen durch die Politik den breiteren Raum ein. Aus dem Publikum wurde beklagt, dass die vom Bund zugesagten Förderbeträge lange auf sich warten ließen, was ein Vetrterer der zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auch in gewissem Umfange zugab und in diesem Falle Besserung versprach. Ein anderer Reeder fühlte sich schlecht behandelt, weil er nach einer Kollision eines seiner Schiffe auf der Schelde bei der Dienststelle Schiffssicherheit mit dem Hinweis, es sei Freitag Nachmittag und keine Dienstzeit mehr, eine Weiterfahrgenehmigung des Schiffes nach Dänemark zur Reparatur verweigert wurde. "Das hat mich 30 000 Euro gekostet", so der empörte Reeder. Die Unerreichbarkeit nach Feierabend allerdings bestritten die Dienststelle Schiffssicherheit und das BSH und stellten klar, dass die Behörden in einem solchen Falle rund um die Uhr sieben Tage die Woche für alle Reeder zu erreichen seien.

Kritik wurde auch an den hohen Gebühren geübt, die das Amtsgericht für das Schiffsregister erhebt. "Die Reederei Maersk wird sicherlich viel Geld dafür bezahlt haben, die kürzlich erworbenen Hamburg-Süd-Schiffe aus dem deutschen Schiffsregister zu löschen. Die Eintragung der Schiffe in das dänische Register wird die Reederei dagegen wohl nichts gekostet haben", so eine Stimme aus dem Publikum. Damit sollte klar gemacht werden, dass zwar der Wille in der Verwaltung vorhanden sei, den Reedereien keine unnötigen Schwierigkeiten zu bereiten, es bei der Umsetzung dessen aber oft hapert. "Im Vergleich zum Ausland stehen wir schlecht dar", hieß es. Einigkeit unter den Diskussionsteilnehmern herrschte bei der Frage nach den Treibstoffen der Zukunft darüber, dass Dieselkraftstoff noch mindestens zehn, wenn nicht noch mehr Jahre der Treibstoff in der Transportbranche bleiben werde.